28 swiss print+communicationDruckunternehmen, die in beiden Bereichen – dem Akzidenz- und Verpackungsdruck – zuhause sind, lassen sich hierzulande an einer Hand abzählen. Zu dieser raren Spezies gehört das Druckunternehmen Fratelli Roda in Taverne TI. – Stefano Bosia, Head of Sales & Marketing, über die Erfolgsfaktoren und Strategien des Tessiner Druckunternehmens. Text: Claude BürkiTalento universaleFratelli Roda03-2018_VIS_028 2826.03.2018 10:17:51
29 swiss print+communicationValentinstag, Tag der Liebe. Und zugleich der letzte Tag des Tessiner Karnevals 2018. In Bellinzona kra-keelen noch ein paar Maskierte unverdrossen auf dem Bahnhof herum. Umsteigen – mein Ziel ist Taverne, der Ort, den Insider aus der Deutschschweiz vielleicht kennen, weil dort die zweitgrösste Druckerei des Kantons Tessin residiert: Fratelli Roda, Verpackungs- und Akzidenzdruck. Die Produktionspalette des Tessiner Druckunternehmens ist immens: Da ist die Rede von Faltschachteln, Verpackungen für die Pharma-, Food-, Non-Food- und Kosmetikindustrie, Blistern, Displays für den POS, 3D-Promotionsmailings und – last but not least – von gewerblichen Drucksachen, von der Visiten-karte über Broschüren bis hin zu Plakaten und Büchern. Wie lässt sich dieses Geschäftsmodell am besten umschrei-ben oder erklären? Oberächlich betrachtet verleitet es dazu, den rundgelutschten Slogan «Alles aus einer Hand» ins Spiel zu bringen. Mit diesem Slogan wäre der Positio-nierung des Unternehmens jedoch nicht Genüge getan. Zumal diesem Slogan das oft gehörte Axiom «Allesdrucker haben ausgedient» anhaftet. Fratelli Roda straft diese vermeintlich zutreende Theorie Lügen, will heissen, widerspricht ihr. Das Unternehmen folgt seit seiner Gründung im Jahre 1942 der Devise, die sich neuerdings in den USA als Trend abzeichnet: dem Bestre-ben, eine möglichst alles umfassende Wertschöpfungs-kette im Hause zu halten. Die Tessiner denieren das schlicht und einfach so: «Wir fokussieren uns auf den Druck Stefano Bosia:«Das Analoge mit dem Digitalen verschmelzen.»Fratelli Roda03-2018_VIS_029 2926.03.2018 10:17:52
30 swiss print+communicationund die Verarbeitung von Papier und Karton.» Das lässt vieles oen, verpichtet nicht zu Spezialistentum und er-önet dem Unternehmen matchentscheidenden Spielraum: als regionaler und überregionaler Player; als Zielgruppen-Player in ausgesuchten Branchen; als Tempo-Player, termin-treu und mit kurzer time to market; als Innovations-Player, der sich über die gegenwärtigen und künftigen Bedürfnis-se seiner Kunden Gedanken macht. Neue Möglichkeiten auslotenDer Mann, der mich in Taverne empfängt, ist Stefano Bosia, seit 2017 Verkaufs- und Marketingleiter bei Fratelli Roda. Als solcher erklärt er mir das unternehmerische Leit-bild des Unternehmens: «Wir bedienen uns modernster Arbeitstechniken, um unseren Kunden eine optimale Pro-duktqualität, ein immer breiteres Spektrum besonderer Verarbeitungen und ein immer interessanteres Qualitäts-Preis-Verhältnis anbieten zu können.» Er ergänzt: «Wir be-achten selbstverständlich auch Aspekte wie Nachhaltig-keit, Rückverfolgbarkeit der Produkte sowie Sicherheit, speziell im Zusammenhang mit Lebensmittel- und Pharma-verpackungen.» So weit, so gut. Zwei Fragen, die zu stellen ich mir vorge-nommen habe, brennen mir auf den Lippen: Wie behauptet sich das Unternehmen? Wie entwickelt es sich weiter? Stefano Bosia scheint auf diese Fragen gewartet zu haben und sagt: «Sicher werden wir im Alltag weiterhin Karton und Papier benötigen. Aber es wird immer mehr Digitales mit im Spiel sein – bei dieser Integration müssen wir mit-halten. Man spricht von Augmented Reality, von Internet of Things. Diese Sachen werden irgendwo und irgendwann in und mit Verpackungen eine Rolle spielen. Es gibt ja bereits RFID. Und vielleicht gibt es anstelle von Beipackzetteln bald einmal einfach einen Link zur Website.» Die Verzah-nung von Analog mit Digital werde immer wichtiger. Des-halb beschäftige das Unternehmen seit kurzem einen IT-Spezialisten. Seine Aufgabe: neue Möglichkeiten ausloten. Technisch gut aufgestellt «Daneben darf man aber die technische Ausstattung nicht aus den Augen verlieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben», so Bosia. «Die Vorreiterrolle hat bei uns Tradition. Wir wa-ren das erste Schweizer Verpackungsdruckunternehmen, das eine KBA-Sechs-Farben, Format 100 × 140, für Hybrid-farben in Betrieb genommen hat.» Damit können Druck-erzeugnisse dank IR-Warmluft- und UV-Öfen sowie mit der Verwendung wasserbasierter Druckfarben die Produkte veredelt werden. Und seit 2015 ist auch eine Heidelberg Speedmaster XL 106-6+L im Einsatz. Weiter stehen nicht weniger als drei Bobst-Maschinen bei Fratelli Roda im Einsatz. Eine, die nicht nur stanzt, sondern auch Veredelung mittels Heissfolien und Hologrammen ermöglicht. «In der Schweiz verfügen nicht viele Unter-nehmen über diese Maschine», so Bosia. Neu stehe in der Inhouse-Buchbinderei auch eine Klebebindemaschine für den Akzidenzbereich bereit. «Ganz normale» Druckerei?«Wir sind Print- und Packaging-Partner unserer Kunden, wobei das Packaging überwiegt. Dieser Bereich macht ca. 80 Prozent aus. Für Kunden aus der Pharma- und Kosmetik-industrie, aber auch für die Bereiche Süsswaren und Non-Food für Unternehmen aus der deutschen und französischen Schweiz. Im Tessin sind wir besser bekannt als Verpa-ckungsdrucker denn als Akzidenzdrucker.» Für den Tessiner Markt überwiegt, durchaus nachvollziehbar, der Anteil des Akzidenzbereichs. Mit einem Hang zum Understatement sagt Bosia: «Wir sind eigentlich eine ganz normale Drucke-rei, etwas grösser als eine gewöhnliche Druckerei, aber statt nur Papier, können wir auch Karton bedrucken und ka-schierte Produkte herstellen. Wir sind ein typischer Schwei-zer KMU-Betrieb – in der Schweiz, für die Schweiz.» Fratelli Roda ist seit der Gründung im Jahre 1942 als Verpa-ckungs- und Akzidenzdruckerei unterwegs. Was die wenigs-INDIVIDUELLVERPACKT.VonderVersandtascheüberWeinverpackungenbiszuPlanversandboxen:GestaltenSieIhreganzindividuelleVerpackung–bedrucktoderunbedruckt.www.papyrus.com210x297_Papyrus-Packaging_InseratA4_2017_DM.indd101.11.1708:38